„Vor der Kamera wie am Herd – wer nichts riskiert, kann wenig bewegen“
Fernsehen ist nie mein Plan. Kochen schon. Aber irgendwann findet das Leben seinen eigenen Weg – und meiner führt mich vor die Kamera. Kitchen Impossible, The Taste, Grill den Profi, Die Karawane der Köche. Mal Gast, mal Coach, mal Gegner, mal Juror. Immer ich. Sich einer breiten Zuschauermenge zu zeigen und möglicherweise zu versagen – auch das braucht Mut. Und genau dieser Mut hat mich weitergebracht. Was mich dahin bringt? Elf Jahre als Executive Chef im Red Bull Hangar-7. Über 120 Gastköche. Küchen in Tokio, New York, Lima, Kopenhagen. Ich tauche in Welten ein, die die meisten nur vom Hörensagen kennen – und verstehe dabei, dass Kochen keine Sprache braucht. Es verbindet trotzdem. Diese Erfahrung formt mich. Nicht nur als Koch. Als Mensch. Und genau das bringe ich mit – vor die Kamera, auf den Teller, in jedes Gespräch. Eine Neugier, die nie aufhört. Und eine Leidenschaft für das Essen, die alles andere überstrahlt.
Hangar-7: Wo Träume fliegen — und die Welt zu Gast ist
Es gibt Orte, die mehr sind als die Summe ihrer Teile. Der Red Bull Hangar-7 in Salzburg ist so ein Ort. Architektur, die den Atem verschlägt. Flugzeuge und Kunstwerke Seite an Seite. Und mittendrin: Kulinarik auf Weltklasseniveau — vier Outlets, das Herzstück davon das Restaurant Ikarus. 2003 durfte ich dieses Herzstück übernehmen. Nach Stationen in München, Mallorca und Tokio war der Hangar-7 für mich nicht einfach ein neuer Job — es war eine Bühne, wie ich sie mir nicht hätte größer vorstellen können. Was ich dort entwickelt habe, gibt es bis heute kein zweites Mal auf der Welt: das Gastkochkonzept. Jeden Monat luden wir eine der besten Köchinnen oder Köche der Welt ein, ihr Menü im Ikarus zu präsentieren. Meine Aufgabe war es, sie vorher zu bereisen, ihre Küche zu verstehen — und sie dann gemeinsam mit meinem Team in Salzburg zum Leben zu erwecken. Fast elf Jahre lang war ich so etwas wie ein kulinarischer Dirigent. 120 Gastköche. Sechs Kontinente. Hunderte von Michelin-Sternen. Alle erdenklichen Stilrichtungen — von klassisch bis molekular, von nordisch bis japanisch. Unzählige neue Lebensmittel, Techniken, Geschichten. Die kulinarische Welt ist in den Hangar-7 gekommen. Und ich durfte sie empfangen. Was für ein Privileg.
"Roland Trettl, mit dem mich eine langjährige fast Vater/Sohn- Beziehung ,sowie alle Attribute des Sternzeichen „Krebs" verbindet ist Teil meines Wirkens und damit Teil meines Ichs."
""Roland Trettl, mit dem mich eine langjährige fast Vater/Sohn- Beziehung ,sowie alle Attribute des Sternzeichen „Krebs" verbindet ist Teil meines Wirkens und damit Teil meines Ichs.""
Eckart Witzigmann
Mentor. Vorbild. Patron. Und irgendwo, tief drin — Familie
Es gibt Menschen, die verändern alles. Eckart Witzigmann ist so ein Mensch — für mich persönlich, aber auch für die gesamte Kulinarik im deutschsprachigen Raum. Anfang der 90er durfte ich zwei Jahre in seiner Aubergine arbeiten, einem der besten Restaurants Europas. Als junger Commis de Cuisine lernte ich dort nicht nur kochen — ich lernte, was Haltung in der Küche bedeutet. Was folgte, klingt fast zu schön: 1997 gab mir Witzigmann als Patron das Vertrauen für meine erste Küchenchefstelle — auf Mallorca. Dann Tokio. Dann 2003 gemeinsam nach Salzburg. Rund 20 Jahre haben wir zusammengearbeitet. Bis heute bin ich per Sie mit ihm — kein Abstand, reiner Respekt. Natürlich gab es Momente, in denen wir nicht einer Meinung waren. Zwei Menschen mit klaren Vorstellungen, eine Küche — das führt gelegentlich zu angeregten Diskussionen. Nennen wir es: kulinarisches Ringen auf hohem Niveau. Was Witzigmann ausmacht, lässt sich kaum in Worte fassen. Seine Besessenheit für Perfektion. Sein Geschmack, der seinesgleichen sucht. Sein Wissen, das er so großzügig weitergegeben hat — an eine ganze Generation von Köchen, die heute zu den Besten der Welt zählen. Ich sage immer: Was Clint Eastwood im Film ist, Michael Jordan im Basketball, Wayne Gretzky im Eishockey und Mozart in der Musik — das ist Eckart Witzigmann in der Küche. Was er mir in der Küche mitgegeben hat, ist das eine — was er mir als Mensch mitgegeben hat, ist das, was wirklich bleibt.































